Klug einkaufen vor Weihnachten

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Weihnachtliche Geschenketüten

Nach Weihnachten ist vor Weihnachten

Jedes Jahr das Gleiche: Man nimmt sich so viel vor für das Einkaufen vor Weihnachten und plötzlich ist es der 20. Dezember. Doch Verhaltensökonomie hilft. Wir zeigen, wie Sie sich mit einigen Regeln den schlimmsten Stress ersparen und bieten Ihnen eine Checkliste zum Download an.

Es weihnachtet sehr. Ihr Adventskalender leert sich, Ihre Geschenkeliste wächst, während die Temperatur sinkt und Sie fragen sich zunehmend, warum Sie sich nicht gemütlich einmümmeln können, anstatt sich in den Weihnachtstrubel zu stürzen. Wer einen Ausweg aus diesem alljährlichen Drama sucht, dem nutzt der Tipp, früher anzufangen, im Dezember auch nichts mehr. Deswegen möchten wir Ihnen einen Wegweiser für das Einkaufen vor Weihnachten mitgeben, der auch in letzter Minute noch wirkt.

Mit Hilfe der Verhaltensökonomie geben wir Ihnen Antworten auf praktische Fragen wie:

  • Was sollte ich vor dem Geschenkekauf recherchieren?
  • Kaufe ich Weihnachtsgeschenke besser online oder im Laden?
  • In welcher Stimmung gehe ich am besten einkaufen?

Und zu guter Letzt haben wir Ihnen noch eine Checkliste für den Weihnachtseinkauf zum Download bereitgestellt.

Blick in eine weihnachtlich geschmückte Einkaufspassage

Vor dem Einkaufsbummel: Abwägen und Recherchieren

Die Phase vor dem Geschenkekauf ist die wichtigste von allen. Denn mit guter Recherche und Dokumentation können Sie sich viel Frust ersparen. Nehmen Sie sich also genug Zeit dafür.

Die Geschenkeauswahl

Nach den Lehren der Verhaltensökonomie ist die goldene Regel bei jedem Einkauf: Überlege dir genau, was du willst und was du brauchst. Dies gilt auch für das Einkaufen vor Weihnachten, beziehungsweise, für das, was die anderen wollen oder brauchen. Klingt logisch, ist es aber nicht. Denn zu keinem anderen Anlass verschenken wir so viel Unsinn wie zu Weihnachten. Das geht besonders schnell, wenn Sie sich von Ratgebern wie „Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke“ oder „Topseller 2019“ beeinflussen lassen. Überlegen Sie immer, was diese eigentlich mit den Beschenkten zu tun haben. Oft nämlich nichts.

Eine Person schreibt eine To-Do-Liste.

Leitlinien für die Geschenkeauswahl

Aber Freude stiften ist schwer. Denn trotz Theory of Mind können wir uns nur unzureichend in andere hineinversetzen und wissen nie mit hundertprozentiger Sicherheit, was sie glücklich macht. Wir schlagen drei nützliche Leitlinien zur Geschenkeauswahl vor:

  • Expertise: Schenken Sie, wovon Sie Ahnung haben. Also zum Beispiel als Weinkenner:in einen guten Tropfen, als (Hobby-)Gärtner:in eine Pflanze oder als Literaturkenner:in eine spannende Neuerscheinung. So schenken Sie Expertise mit, die für die oder den Beschenkte:n oft gar nicht oder nur mit viel Arbeit erreichbar ist.
  • Aufmerksamkeit: Schenken Sie, was der oder dem Beschenkten schmeichelt. Hier können Sie beweisen, dass Sie der oder dem Beschenkten zuhören, ihren oder seinen Geschmack und ihre oder seine Lebenssituation gut kennen. Auch das sind Zeichen der Wertschätzung, die mit Geld kaum aufzuwiegen sind.
  • Irrationalität: Schenken Sie, was überrascht. Auch die Beschenkten handeln nicht ausschließlich rational – sonst käme das obligatorische Paar Socken besser an. Nein, auch die oder der Beschenkte will mit dem Geschenk seine romantische Seele füttern. Erwägen Sie also auch Dinge, die man nicht wirklich braucht, die aber schön und begehrenswert sind. Warum sonst ist Schmuck ein so ein beliebtes Weihnachtsgeschenk?

Rechere und Dokumentation

Ideen gesammelt? So weit, so gut. Nun geht es ans sorgfältige Recherchieren und Dokumentieren der Geschenke. Notieren Sie dabei nicht nur das gewünschte Produkt selbst, sondern auch dessen wichtigste Merkmale. Schreiben Sie also nicht nur „Kaffeemaschine für Franz“, sondern auch, was die Kaffeemaschine können soll z.B. „mit Milchaufschäumer“ oder „italienisches Traditionsprodukt“. Wenn Sie dann im Fachgeschäft stehen, können Sie sich besser darauf konzentrieren, was Ihnen wichtig ist, und lassen sich weniger leicht von der/dem Verkäufer:in beschwatzen, die oder der Ihnen den neuesten und teuersten Vollautomaten andrehen will.

Foto eines Kaffeevollautomaten

Um zu sparen, sollten Sie bei Markenprodukten zusätzlich recherchieren, ob sie in ihrer Art wirklich einzigartig sind oder ob es ein No-Name-Produkt mit identischen Eigenschaften gibt. Bei technischen Produkten sollten Sie außerdem immer prüfen, ob der – bis dahin oft stark reduzierte – Vorgänger nicht auch ausreichen würde. Oft bieten Discounter die gleichen Produkte nur ohne Label an. 

Auch wichtig: Beziehen Sie bei der Recherche ruhig auch Läden ein. Im Internet gibt es zwar mehr Auswahl, aber das erzeugt auch Stress und verzögert die Entscheidung. Persönliche Beratung in einem kleinen Laden Ihres Vertrauens bringt manchmal mehr. Insbesondere ein kleines Sortiment verringert den Stress und erleichtert die Kaufentscheidung.

Geschenke an sich selbst

Wenn Sie etwas für sich selbst suchen, können Sie im Vorfeld auch mal notieren, wie oft Sie bestimmte Merkmale der Produkte benutzen. So werben zum Beispiel Handys oft damit, dass die Kamera so gut sei, dass die aufgenommenen Bilder bis zu einer Größe von zwei Metern gut ausdruckbar sind. Nur – wie oft waren Sie schon in der Verlegenheit, eines Ihrer Bilder so groß auszudrucken? 

Auch empfehlenswert: borgen Sie sich ggf. bestimmte Objekte Ihrer Wahl im Bekanntenkreis aus. Prüfen Sie, ob die Handhabung, die Häufigkeit und der Nutzen wirklich ihren Vorstellungen entspricht.

Weihnachtsgeschenke

Auch unbedingt zu beachten – und das nicht nur, wenn Sie sich selbst beschenken – ist, was Sie noch alles ändern und/oder anpassen müssen, damit die neue Errungenschaft funktioniert und ihren Nutzen erzeugt. So sind beispielsweise bestimmte Bluetooth-Kopfhörer nur mit neuen Smartphone-Modellen kompatibel. Diese Kopfhörer würden folglich also noch ein neues Handy erfordern.

Während des Einkaufens: Einen kühlen Kopf bewahren

Die Verhaltensökonomie weiß: Irrationales Verhalten ist nichts Außergewöhnliches und nicht zwingend etwas Schlechtes. Gerade beim Einkaufen vor Weihnachten läuft unsere Irrationalität zu Hochtouren auf. Wir überlegen, völlig sinnfreie Dinge zu kaufen, weil der soziale und zeitliche Druck wie ein Damoklesschwert über uns hängt und scheinbar die waghalsigsten Entscheidungen rechtfertigt. Und das eigentliche Ziel des Schenkens, preisunabhängige Freude zu stiften, rückt dabei völlig in den Hintergrund. Was kann man dagegen tun?

Schritt eins: Arbeiten Sie an Ihrer Gemütsverfassung während der Weihnachtseinkäufe. Gehen Sie zum Beispiel nicht hungrig oder gestresst in den Laden; nehmen Sie sich Zeit. Wenn letztere knapp ist, überlegen Sie, ob es Orte oder Zeiten gibt, um die Weihnachtseinkäufe mit mehr Bedacht zu erledigen. Wer sie zwischen Arbeit und Ladenschluss quetschen muss, kann zum Beispiel eine kurze Kaffeepause einbauen. Schon eine Viertelstunde nimmt die Hektik raus. Wenn Sie die Gelegenheit haben, mal einen Tag später zur Arbeit zu kommen, einen Wochentag zu tauschen oder sich ganz freizunehmen – ergreifen Sie sie. Zunächst scheint das vielleicht überzogen, aber es lohnt sich.

Zu Weihnachten werden Produkte des täglichen Bedarfs in einen Erlebniskontext gestellt.

Einmal im Geschäft angekommen, lassen Sie sich von Ihrer Liste leiten. Sonst verführen schon die Atmosphäre und der Trubel der Läden zum Kaufen. Zu Weihnachten werden Produkte des täglichen Bedarfs in einen Erlebniskontext gestellt, das heißt: Schon allein die Deko, der Geruch, die Musik und das Licht suggerieren uns den Geschenkcharakter der Ware. Auch sind wir immer geneigt, das zu wollen, was andere auch wollen. Alle scharen sich im Elektronikmarkt um das neueste Smartphone mit dem Apfel auf der Rückseite? Dann brauche ich das wahrscheinlich auch. Dazu kommt die Angst vor Verlust: Sind vielleicht alle Apfel-Smartphones weg, bevor ich mich entscheide? Wenn Sie vorher brav Liste geführt haben, können Sie solche äußeren Reize einfach vorbeifliegen lassen.

Für das Verkaufsgespräch beim Einkaufen vor Weihnachten gilt: Nicht einlullen lassen. Wenn die/der Verkäufer:in besonders engagiert ist und ein Produkt nach dem anderen aus dem Lager holt, verpflichtet Sie das lange nicht zum Kauf. Und selbst wenn richtig harte Geschütze aufgefahren werden und Sie mit Gratisangeboten, Süßigkeiten und Kaffee bearbeitet werden, haben Sie immer noch das Recht, den Laden ohne Ware zu verlassen. Was hier wirkt, ist der gesellschaftliche Druck: Wer etwas bekommt, so gibt es unsere Sozialisation vor, der muss auch etwas geben.

Foto eines Geschenk, übersäht mit Konfetti

Nach dem Kauf: Reflektieren und lernen

Wenn Sie von Ihren Geschenken überzeugt sind, überzeugen Sie auch die Beschenkten einfacher. Deswegen: Seien Sie stolz auf Ihre Entscheidung und erzählen Sie gerne auch anderen davon – sofern diese nichts ausplaudern. Und fangen Sie ja nicht an, direkt bei der Geschenkübergabe Zweifel zu säen, indem Sie ungefragt einen möglichen Umtausch anbieten!

Apropos Umtausch – dieser verursacht Stress. Studien belegen: Wem ständig der Rückkauf eines Produkts angeboten wird, der ist gestresst. Wer viel umtauscht, ist unglücklicher. Denn die stressige Entscheidungssituation des Kaufes, hält durch die Option Umtausch an. Daher: Tauschen Sie nur im Notfall um, und hadern Sie nicht zu lange mit der Entscheidung. Fangen Sie stattdessen besser schon mit Ihrer Liste für das nächste Jahr an.

In diesem Sinne frohe Weihnachten wünscht
Ihr Team des Instituts für Verhaltensökonomie

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